New York Fashion Week

New York Fashion Week

Locker-entspannte Eleganz – das ist das neue Schlagwort für die Herbst/Wintersaison 2011, in der die Silhouetten lockerer, längerer und buchstäblich umfangreicher werden. Und mal ganz ehrlich: Nachdem sich im vergangenen Winter alles um sexy Looks und hautenge Kleider drehte, um superkurze Röcke und irre hohe Killerabsätze, ist die Zeit jetzt einfach reif für eine Veränderung. Eine zurückhaltendere, harmonischere und kultiviertere Form von Luxus hat definitiv etwas für sich.
Die New York Fashion Week hat diese neue Gestimmtheit mit raffinierten, ausgefeilten Kollektionen aufgegriffen – voll von Texturen, die man einfach anfassen und spüren möchte, und durchdrungen von einem Gefühl für Luxus und Dekor, das wir in diesen Zeiten des zweckmäßigen Chics vermisst haben.
Denken Sie etwa an die langen, asymmetrisch geschnittenen Samtkleider in Rubinrot und Smaragdgrün bei Ralph Lauren, die ein wenig an Fitzgeralds romantische und manchmal tragische Heldinnen erinnern. Oder sehen Sie sich Michael Kors gewohnt raffinierte Kollektion an, mit Hosenanzügen aus grauem Flanell, herrlichen kamelfarbenen Bodies, dicken Pelzjacken zu hoch taillierten Hosen und drapierten, glamourösen Roben mit Glitzerschmuck im 70er-Jahre-Stil. Welche Frau möchte nicht gerne so aussehen?
Carolina Herrera hat Klasse bis in die Fingerspitzen, und das war ihren rubinroten Devoré-Mänteln mit Schalkrägen und den mineralinspirierten Verzierungen auf schmalen Abendroben auch mehr als deutlich anzusehen.
Eine neue Opulenz verschafft sich Geltung und bringt uns die neu-alte Idee von Luxus und qualitativ hochwertiger Kleidung in den Sinn. Das zeigt sich auch an den spitzengeschmückten Jacquard-Kleidern von Jason Wu, an Proenza Schoulers dekadenten Samtroben mit Native-American-Flair und selbst an Alexander Wangs Seidennylon-Capes in Devoré-Optik und seinen Parkas mit Riesen-Reißverschlüssen. Sogar die Basics machen Staat – etwa die smaragdgrünen und saphirblauen Seidentuniken mit Lederärmeln, die Philip Lim zu Culottes und Tweedjacketts mit Schalkragen zeigte.
Der große Trendsetter und Stilführer der Woche ist allerdings Marc Jacobs, und die Stimmung seiner Kreationen lässt sich nicht mal ansatzweise als locker-entspannt bezeichnen. In einer wahrlich aufsehenerregenden Kollektion hat er sich mit der Pariser Haute Couture und den strengen Schnitten des verstorbenen Alexander McQueen auseinander gesetzt.
Vor riesigen, Latex-gepolsterten Säulen stolzierten seine Models über den verspiegelten Laufsteg, in Humpelröcken und kurzen Jäckchen, die mit ihrem makellosen Schnitt jede Kurve mehr als nur gut zur Geltung brachten.
Die langen Abendröcke waren mit kristallförmigen Ornamenten übersät, andere zeigten aus Latex geschnittene Verzierungen in Polka Dot-Form, die sich – mal dreidimensional, mal gedruckt – auch auf den Blusen wiederfand. Die Models präsentierten sich spröde und zackig und sahen mit ihrer weiß gepuderten Haut und den weinrot nachgezogenen Lippen (ganz zu schweigen von den halbhohen Keilstiefeln aus Lackleder) auf seltsame Weise betörend aus. Aufregend vom Anfang bis zum Ende. Locker-entspannt oder präzise und streng – Sie haben die Wahl.

28-02-2011

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