PARIS FASHION WEEK

PARIS FASHION WEEK

In der letzten Folge unserer Reportagen zu den neuen Kollektionen zeigt Harriet Quick, wie sich der Hang der Modewelt zu Luxus und Qualität auf den Pariser Laufstegen spiegelt

In Paris erwarten wir immer das Feinste vom Feinen: allerhöchste Eleganz und Schneiderkunst und eine nie versiegende Fülle von Ideen. Diesmal wurde die Modewoche jedoch vom Skandal um John Galliano und den brodelnden Gerüchten zum Job-Karrussell in der Designerwelt erschüttert, die die Branche in ihren Grundfesten erbeben ließen. Über eines sind wir uns immerhin alle einig: Designer stehen aufgrund des unablässigen Drucks, ihre Leistungen und Verkaufszahlen mit einer ganzen Litanei von Kollektionen, Vorkollektionen und Accessoires immer weiter steigern zu müssen, unter extremen Stress. Ruhe gibt es da keine, weder im Guten noch im Schlechten.

Doch was für eine enorme Auswahl war hier geboten! Man setzt jetzt wieder auf Qualität, auf mehr Längen, luxuriöse Materialien, geschmeidige Linien und Silhouetten, die den Körper umhüllen. Die Botschaft lautet, sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luxus zu packen und mit Selbstbewusstsein und einer großen Aura in die Welt hinauszuschreiten.

Der neue Trend zum Volumen zeigte sich etwa an den Mänteln von Miu Miu, die sich mit extrabreiten Schultern im 40er-Jahre-Stil präsentierten; an den Louis Vuitton-Jacken mit Fledermausärmeln und Wespentaillen; oder an Stella McCartneys maskulinen, übergroßen Hosenanzügen. Das Flair von Luxus fühlte man beim Lagen-Look, den Tweeds und Cardigan-Mänteln von Chanel; bei Célines makellosen, langen und schmalen Tweed-Stücken im Reiterstil; oder bei Yves Saint Laurents göttlichen Stücken mit Glencheck-Optik.

Und Mannomann, die Extravaganz der Unmengen von Pelz, falschem Pelz und Schaffell auf den Laufstegen konnte wirklich niemand verkennen. In Mantelärmel eingearbeitet; um die Säume von Cocktailkleidern gewickelt (Giambattista Valli); als Besatz an Schultern und Riesenkapuzen angebracht (Alexander McQueen) ... Von den Handtaschen ganz zu schweigen: Eine Pelztasche ist der Statuskauf der Saison. Und falls all das nichts für Sie ist – bei den hoch taillierten Hosen von Céline und Hermes spielte auch Leder eine wichtige Rolle.

Ein ganz großes Thema ist Fetischmode. Zu sehen etwa bei Ungaro, wo Giles Korsetts und Kropfbänder über Etuikleider aus Spitzenstoff packte, oder bei Louis Vuitton mit passenden Kragen, Handschellen und Kappen sowie Plateaustiefeln aus Latex. Die neue Handtasche ist die Lockit, eine Clutch-Bag zum Umklappen.

Bravouröse Handarbeiten liegen ebenfalls im Trend. Echten Wow-Faktor hatten die Lederjacken in Strickoptik bei Balenciaga, kombiniert mit raffiniert bedruckten, gekräuselten und drapierten Röcken. Ebenso atemberaubend die Devoré-Prints mit lila Blütenranken und schleichenden Panthern, die bei Givenchy auf Sweatshirt-Tops und halbtransparenten Tüll-Bleistiftröcken zu sehen waren. Und unverhohlene Bewunderung erntete Sarah Burton bei der Alexander McQueen-Schau: komplex gearbeitete Roben, einige mit Mosaiken aus Porzellan als Bustiers, andere aus handbesticktem Tüll mit bondage-artigen Trägern. Doch Bondage hin oder her – Burton hat mit Sicherheit Talent genug, um ein Kleid zu kreieren, das einer künftigen Königin würdig ist.


Alexander McQueen erhältlich in Bicester Village, Celine erhältlich in Bicester Village, und La Vallée Village, Givenchy erhältlich in La Vallée Village, Stella McCartney erhältlich bei Joseph in Bicester Village, Yves Saint Laurent erhältlich in Bicester Village

24-03-2011

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